Grundrezepte

hande2 Wenn man anfängt, im Internet nach Rezepten für Pappmaché zu googeln, merkt man schnell, dass es die eine Rezeptur nicht gibt und auch die Methoden stark variieren. Die nachfolgenden Rezepte verwende ich selbst: sie sind denkbar einfach und können natürlich je nach Bedarf und Vorlieben weiter abgewandelt werden (siehe auch „Gut zu wissen„). Grundsätzlich muss man zwischen zwei Techniken unterscheiden: dem Kaschieren, d.h. dem Verkleben von Papierstreifen in mehreren Schichten, und dem Verarbeiten von Pulpe, einer Art Papierfaserteig. Wendet man beide Techniken beispielsweise auf einem Plastikbecher an, so wirkt  die Form im ersten Fall  leicht, fast zerbrechlich und manchmal etwas runzelig, im letzteren dagegen eher robust und je nach Auflösung der Papierfasern fein- bis grobkörnig.

Zum Kaschieren braucht man:

Vidéo - superposition à l'exemple d'un relooking de meuble

Video – Kaschieren am Beipiel eines Ikea-Hacks

  1. Universellen Tapetenkleister oder selbstgemachten Mehlkleister
  2. in Streifen gerissenes Papier (Zeitungspapier, Seidenpapier etc.)
  3. einen Pinsel zum Auftragen des Kleisters
  4. einen nach Möglichkeit luftdicht verschlieβbaren Behälter (z.B. eine alte Eisverpackung)
  5. eine Kunststoffunterlage bzw. Plastikfolie
  6. eine zu kaschierende Form (Luftballon, Schale, Vase etc.)
  7. gegebenfalls ein Trennmittel wie Frischhaltefolie, Vaseline und / oder ein bis zwei nasse Papierschichten (nicht erforderlich bei Luftballons)

Den Tapetenkleister gemäβ Gebrauchsanleitung, aber nicht zu dünnflüssig, ansetzen. Um Klumpenbildung zu vermeiden, das Pulver nach und nach ins Wasser geben und dabei unablässig mit dem Pinsel verrühren. Anschlieβend quellen lassen (Dauer: siehe Anweisung des Herstellers). Da Tapetenkleister nach ca. einer Woche im Kühlschrank seine Klebkraft verliert, sollte man eher kleinere Mengen zubereiten (wie z.B.250 -350 ml). Die Papierstreifen auf der Unterlage ausbreiten und mit dem Pinsel den Tapetenkleister auftragen: Seidenpapier braucht nicht durchzuweichen – daher reicht eine Seite – und sollte unverzüglich verarbeitet werden, wohingegen Zeitungspapier beidseitig eingekleistert werden und kurz durchziehen muss.

TIPP: Bevor man die Papierstreifen ausbreitet, die Unterlage groβzügig einkleistern: das erspart lästiges Umdrehen!

Beim Auftragen der Papierfetzen sollten sich diese an den Rändern überlappen und die Ausrichtung – zunächst vertikal, dann horizontal etc. – bei jeder Schicht geändert werden, um die Stabilität zu erhöhen. Nach ca. 4 – 5 Schichten (je nach Papierart) das Objekt vollständig trocknen lassen und erst dann, je nach gewünschter Festigkeit, weitere Schichten hinzufügen.

TIPP: Pro Schicht andersfarbige Papierstreifen verwenden, um sicherzugehen, dass sie überall gleichmäβig aufgetragen werden

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Für Pulpe braucht man:

  1. Papier (z.B. Zeitungspapier oder Büropapier)
  2. Wasser
  3. Tapetenkleister
  4. einen alten Eimer
  5. evtl. einen alten Kochtopf
  6. einen alten Pürierstab
  7. ein altes Sieb
  8. ein altes Geschirrhandtuch
  9. eine alte Plastikschüssel
  10. Frischhaltefolie
Zusammensetzung von rund 1 kg Pulpe
mit den genannten Zutaten:
250 g Papier / 750 g Wasser
ca. 4 EL Kleisterpulver

Am Anfang muss das Papier in kleine Fetzen gerissen werden (2-3cm²) : Wer über einen Aktenvernichter mit Partikelschnitt verfügt, hat das groβe Los gezogen! Die Papierschnipsel über Nacht in einem Eimer Wasser einweichen. Lösen sie sich in Papierfasern auf, wenn man sie zwischen den Fingern reibt, kann man den Pürierstab rausholen, ansonsten ist es möglich, sie zur Beschleunigung in einem Kochtopf mit Wasser, das alle Schnipsel bedeckt, eine kleine Weile zu kochen. Anschlieβend im Eimer mit reichlich Wasser pürieren, bis ein homogener Papierbrei entstanden ist. Im Spülbecken das Handtuch ausbreiten. Mit dem Sieb den Papierbrei aus dem Eimer schöpfen und in die Mitte des Handtuchs schütten. Das Tuch einrollen und mit dem Brei auswringen. Die so entstandenen Faserklumpen beiseite legen und die Operation so lange wiederholen, bis der Eimer leer ist.

Anmerkung: Aufgrund der Druckerschwärze von Zeitungen sind die Gerätschaften im Anschluss nicht mehr für die Zubereitung von Mahlzeiten zu gebrauchen!!

Die feuchten Klumpen in einer Schüssel zerbröseln. Damit es schneller geht, nehme ich auch mal einen Quirl zu Hilfe – das erspart einem auch die schwarzen Finger (siehe Foto oben) :-) . Den Kleister sehr dick anrühren und hinzufügen. Was seine Menge angeht, muss man berücksichtigen, dass bereits die Papierfasern Wasser enthalten (siehe Zusammensetzung = Gesamtgewicht!) daher sparsam mit dem Wasser umgehen! Die Masse gut durchkneten. Falls sie sich nur schwer verarbeiten lässt und bröckelt, sollte man noch etwas Kleister hinzugeben. Fühlt sie sich wässrig an, ohne geschmeidig zu sein, die Feuchtigkeit auspressen und etwas Kleisterpulver zusetzen: dabei besonders gründlich durchkneten, um Klumpenbildung zu vermeiden. Die Konsistenz ist dann richtig, wenn der Teig nicht mehr an den Händen klebt und sich Fingerabrdrücke gut abzeichnen. Die Pulpe in Frischhaltefolie wickeln, solange sie nicht verarbeitet wird, und Reste im Kühlschrank aufbewahren. Haltbarkeit: ca. eine gute Woche.

TIPP: Falls man keine Zeit hat, die feuchten Papierkrümel im Anschluss sofort weiterzuverarbeiten (und so geht es mir i.d.R.!), sollte man auf den Kleister verzichten und sie trocknen lassen. Sie sind bei Raumtemperatur unbegrenzt  haltbar und müssen bei erneutem Bedarf nur mit ein wenig Wasser durchfeuchtet werden, bevor der Kleister hinzugefügt werden kann.

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Paper mache clay / Ein Pulpenrezept speziell für Skulpturen

Sucht man im Internet nach Pappmaché-Rezepten, stöβt man früher oder später auf die Website ultimatepapermache.com von Jonni Good. Von ihr stammt auch das nachfolgende Rezept, dass sich besonders für Skulpturen eignet, da mit diesem Papierteig – sie nennt ihn „paper mache clay“ – auch kleine Details sehr gut herausgearbeitet werden können. Man braucht dafür:

  1. billiges zweilagiges Toilettenpapier: 1 1/4 Tasse nasses, ausgepresstes Papier
  2. 1 Tasse fertige Fugenmasse aus dem Baumarkt
  3. 3/4 Tasse Weiβ- bzw. Vinylleim (PVA )
  4. 1/2 Tasse Mehl
  5. 2 EL Leinöl
  6. eine Schüssel
  7. einen alten elektrischen Mixer
  8. einen luftdicht verschlieβbaren Behälter
  9. Frischhaltefolie

Im Gegensatz zum traditionellen Rezept oben lässt sich diese Pulpe in nur ein paar Minuten herstellen! Man entfernt den Karton und löst das Toilettenpapier in warmem Wasser auf, evt. etwas nachhelfen. Die kleinen Fetzen gut auspressen und anschlieβend in einer Schüssel mit den anderen Zutaten mit Hilfe des elektrischen Mixers 3 Minuten vermischen. Stellt man fest, dass es noch ein paar gröβe Fetzen gibt, den Mixer kurz ausstellen, mit der Hand zerreiβen und dann weiter mixen. In einem verschlieβbaren Behälter, eingewickelt in Frischhaltefolie, ist die fertige Pulpe mindestens 2 Wochen im Kühlschrank haltbar.

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Ein Rezept für Weiβleim

Wem der Weiβleim zu teuer ist oder ihn gerade nicht zur Hand hat, kann ihn auch selber herstellen. Ich bin hier fündig geworden: http://devilseve.blogspot.fr/2012/02/homemade-glue.html. Die Zutaten entsprechen einem traditionellen Rezept, nur dass noch flüssige Stärke zur Steigerung der Klebfähikgeit hinzugefügt und entsprechend weniger Wasser genommen wird. Ich habe das Rezept für Jonni Goods Pulpe ausprobiert, und es erschien mir gut geeignet. Man braucht dazu:

  1. eine Tasse Mehl
  2. 1/3 Tasse Zucker
  3. 1/3 flüssige Stärke
  4. 1 – 1/2 Tasse Wasser
  5. 1 EL Essig
  6. einen Topf
  7. einen Quirl
  8. ein luftdicht verschlieβbaren Behälter

Mehl und Zucker in einem Topf vermischen. Die Hälfte des Wassers sowie die flüssige Stärke dazugeben und gut verrühren. Den Rest des Wasser hinzufügen und weiterrühren, bis eine cremige, klumpenfreie Konsistenz entsteht. Den Essig einrühren, den Topf erhitzen, weiterrühren. Sobald die „Sauce“ dick wird, achtgeben und vom Herd ziehen, bevor sie anfängt zu klumpen. Abkühlen lassen. Den so entstandenen Leim im Kühlschrank aufbewahren.

Gut zu wissen:

Gesso: Ein Grundierweiss in Pastenform, stark deckend, saugend und elastisch, so dass Risse vermieden und rauhe Oberflächen bzw. Unebenheiten ausgeglichen werden. Darüber hinaus verhilft es den anschlieβend aufgetragenen Farben zu mehr Leuchtkraft. Ursprünglich für die Malerei entwickelt, eignet es sich auch sehr gut für Pappmaché-Arbeiten. Gipspulver: Gipspulver verbessert die Konsistenz der Pulpe, wenn diese zu weich erscheint. Holzleim (auch Weiβ- bzw. Vinylleim): Holzleim ist häufig Bestandteil von Pappmaché-Rezepten, da er die Festigkeit erhöht und zudem die Klebkraft des Kleisters bei stärkeren Papiersorten wie Zeitungspapier steigert. Holzleim findet man im Baumarkt, ist aber sehr teuer. Günstiger ist Weiβ-bzw. Vinylleim (PVA) im Geschäft für Bastelzubehör – erhältlich u.a. in 2 Liter- Kanistern (Frankreich). Leinöl: Durch Leinöl wird die Pulpe geschmeidiger und lässt sich besser verarbeiten. Darüber hinaus erhöht es die Stabilität. Mehl: Kann als Füllstoff für Pulpe benutzt werden und verfeinert gleichzeitig deren Konsistenz. Falls es den Teig zu klebrig macht, lässt man ihn etwas ruhen. Es macht das Pappmaché allerdings schwerer. Mehlkleister: Gekaufter Tapetenkleister enthält i.d.R. Fungizide und Konservierungsstoffe, um Schimmel und Fäulnis vorzubeugen. Möchte man daher darauf verzichten, kann man relativ leicht und günstig seinen eigenen Kleister herstellen, indem man 90 g Mehl und ca. 300ml Wasser in einem Topf mit dem Schneebesen mischt und unter Rühren fast bis zum Aufkochen bringt. Den Topf vom Herd nehmen, sobald eine dickflüssige Konsistenz erreicht ist, und die Masse abkühlen lassen. Nelkenöl: Nelkenöl wirkt Fäulnis und Schimmel entgegen. Überflüssig bei Verwendung von Tapetenkleister aus dem Handel Pappenstiel:  Was hat ein Pappenstiel mit Pappmaché zu tun? Zunächst mal gar nichts! „Pappenstiel“ ist ein kurioses Wort, da es im Deutschen nahezu ausschlieβlich in Verbindung mit dem Wörtchen „kein“ benutzt wird… „Kein Pappenstiel“ ist „keine Kleinigkeit“ – im Umkehrschluss also ist ein Pappenstiel eine Kleinigkeit, wenn man es auch in diesem Sinne so gut wie nie benutzt. So habe ich es  kurzerhand zu „meiner Kleinigkeit“ gemacht, denn lautmalerisch ist der Zusammenhang mit „Pappmaché“ und noch dazu mit „Stil“ durchaus vorhanden! Beim Pappenstiel handelt es sich wohl ursprünglich um den Stiel der Pusteblume (auch Löwenzahn, Hundeblume, Butterblume etc genannt). Mit Pusteblumen aber verbinde ich Kindheit, Natur, eine gewisse Mystik („er liebt mich, er liebt mich nicht“…), Metamorphose, Faszination und Kreativität – es gibt sie nicht nur wie Sand am Meer, sie haben auch u.a. zu  unzähligen Abbildungen inspiriert. Papier und Pappe sind ebenfalls allgegenwärtig und allen zugänglich – und mit etwas Phantasie kônnen  aus ausgedienten Zeitungen und Kartons kleine und groβe, einfache und komplizierte, neue Formen entstehen – es genügt, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen! Und vielleicht wird aus etwas scheinbar Banalem eine kleine Kostbarkeit… Seidenpapier: Besonders stärkere Sorten wie z.B. Brottüten lassen sich gut verarbeiten. Sie schmiegen sich gut an die Form an und etwaige Falten lassen sich leicht rausstreichen, wodurch man mit gröβeren Papierstreifen arbeiten kann als z.B. bei Zeitungspapier. Da das Seidenpapier aber dünner ist, braucht man ca. 2-3 Schichten mehr.

Literatur

PULPART
Absolut begeistert bin ich von Pulp-Art von Roswitha Paetel (Hauptverlag, 2014). Es ist ein optisch sehr ansprechendes Buch, und die Qualität seiner Fotos und seiner Aufmachung wird der Ästhetik der „Pulp-Objekte“ vollstens gerecht. Es wird auβerdem viel Wert auf die Darstellung der einzelnen Werkzeuge und Arbeitsschritte gelegt, und man kann nicht anders, als dem Tag entgegenzufiebern, an dem man die Zeit hat, es selber auszuprobieren! Es zeigt ein innovatives, modernes Bild von Papiermaché, dessen Wandlungsfähigkeit je nach angewandter Technik mehr als verblüffend ist!